Unter dem Titel „Belauschte Leiden“ berichtete im Januar 1980 der SPIEGEL über das Wohlbefinden von Hühnern in der Massentierhaltung (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14316139.html): „Sie vegetieren in engen Maschenkäfigen, sehen niemals das Tageslicht und werden mit Medikamenten vollgepumpt: Das Leben der 50 Millionen deutschen Legehennen ist, so der Tierjournalist Horst Stern, „kurz und beschissen“.“
So ist das im Wesentlichen bis heute geblieben.
Außerdem wird der Frankfurter Zoologe Professor Bernhard Grzimek zitiert, der seinerzeit den Begriff „KZ-Hühner“ prägte (aber nicht erfunden hatte), und kritisierte: „…sie leben ständig unter Angst und Streß… Die Tiere können nicht einmal ihre Flügel ausstrecken“.
Grzimek mußte sich 1976 für diesen Ausdruck gegen die Klage eines Eier-Industriellen vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten, welches die Klage allerdings abwies.
Dabei berief er sich unter anderem auf den 1984 verstorbene Theologen und Bischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), D. Martin Niemöller, der von 1937 bis 1945 als KZ-Häftling in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau verbracht hatte. Dieser hatte in einem Schreiben an den seinerzeitigen Präsidenten des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Prof. Dr. Schlütter, gemeint, das Dasein der Legehennen in den Käfigen müsse für die Hühner noch schlimmer sein, als das, was er im KZ durchlebt habe.
Wer nach weiteren Zitaten in dieser Richtung sucht, wird schnell und reichlich fündig. Genauso schnell wird er aber auch Quellen finden, die den Begriff Hühner-KZ in der mildesten Form als unangemessen, unerhört und geschmacklos bezeichnen.
„Nazi-Vergleiche sind immer heikel. Man muss schon sehr alt sein … oder sehr fest im Sattel sitzen, um die anschließende Diskussion unbeschadet zu überstehen,“ meint Jan Fleischhauer in seiner Kolumne „Einmal Hitler, und du bist raus“ im April 2012 dazu (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nazi-vergleiche-sind-in-der-politischen-rhetorik-beliebt-a-829869.html).
Wilhelm Feuerhake, Plattdeutsch-Beauftragter des Landkreises Uelzen, wehrt sich vehement gegen den Begriff Hühner-KZ, der in unseremArtikel „Soken givt, de givt dat gorni“ verwandt worden war. „Dieser Begriff hat im Platt nichts zu suchen, damit werden auch die bäuerlichen Hühnerhalter in die Nähe von KZ-Aufsehern gestellt“ meinte Feuerhake und berichtete von vielen, betroffenen Anrufen, die ihn zu diesem Thema erreicht haben.
In der Sache Hühnerhaltung/Massentierhaltung wird seit langem erbittert und heftig gestritten. Es gibt viele gute und schlechte Argumente, Daten, Zahlen, Fakten und Gerichtsurteile. Diejenigen, die den Begriff verwenden, haben ihre Gründe und sicher leider häufig auch recht.
Andere, die sich, wie Wilhelm Feuerhake, gegen den Begriff verwahren, haben sicher auch ihre Gründe, denn in der Tierhaltung gibt es mit Sicherheit auch viele ordentliche Tierhalter, die sich um eine gesunde, möglichst artgerechte Haltung bemühen. Auch Wilhelm Feuerhake hat recht.
Um die Sache muß weiterhin gestritten werden. Erst wenn es, auch im Sinne Feuerhakes, nur noch ordentliche Tierhalter gibt, ist das Ziel erreicht.
Um den Begriff zu streiten macht keinen Sinn, denn das lenkt vom eigentlichen Thema ab.
Aus diesem Grund werden wir wird ihn die Redaktion in der DIE ZEITUNG verallgemeinernd zukünftig einfach nicht wieder verwendet nicht verwenden und die Mitautoren bitten, genauso zu verfahren.
Für eventuelle, konkrete Fälle kann das aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen werden. Hier sind einfach auch die ordentlichen Halter in der Verantwortung und gefordert, ihre Reihen „sauber zu halten“, um derartigen Bezeichnungen die Grundlage zu entziehen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.